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Zombies mit Herz: Warm Bodies

Von am 9. September 2013

Warm Bodies: Au weia … ein Zombiefilm, FSK 12, in dem sich ein Untoter in eine junge (Menschen)-Frau verliebt?! Hört sich doch arg bemüht und konstruiert an, ganz so, als wolle da jemand auf den Zombiezug aufspringen, um die Gunst der Stunde nutzen und schnell noch ein wenig Geld zu machen, solange der Zug noch rollt. So ging es mir durch den Kopf, als ich „Warm Bodies“ (2013) in den Player einlegte, ich erwartete 94 Minuten gepflegte Langeweile, gepaart mit dümmlichen Witzen und Teeniehorror aus der Dose.

Na gut, dann schau’n wir mal …

[Achtung, Spoileraufkommen: Gering bis mittel]

Warm_Bodies_Theatrical_PosterZur Story: Ein „junger“ Untoter fristet sein Dasein an einem Flughafen, unzufrieden (!) mit seinem „Leben“, vereinsamt, frustriert vom Alltagstrott. So grübelt er vor sich hin und fragt sich, ob es seinen Mitzombies wohl auch so geht. An seinen Namen erinnert er sich nicht mehr, nur dass er mit „R“ beginnt, ist ihm noch bewusst. Einen besten Freund hat er auch, gerne sitzen beide zusammen an einer Theke des Flughafens und knurren sich an. Oder man schlurft gemeinsam mit anderen Untoten zum Essenfassen in die Stadt.

Acht Jahre nach der Apokalypse (auf die im Übrigen nicht näher eingegangen wird) leben die letzten Menschen in der „wahrscheinlich einzigen verbleibenden Siedlung auf der Erde“ hinter riesigen Mauern. Julie, eine junge Frau, wird von ihrem Vater, dem Anführer der Menschen, beauftragt, gemeinsam mit einer Gruppe anderer Twens Medikamente jenseits der Mauern zu besorgen.

Während also „R“ und Co auf dem Weg zur Nahrungsaufnahme sind, suchen Julie et al. nach Medikamenten. Es kommt zum Aufeinandertreffen, bei dem „R“ Julies Freund tötet und sein Gehirn frisst. Dadurch nimmt er dessen Erinnerungen in sich auf und verliebt sich (sozusagen stellvertretend) in Julie. Um sie vor seinen Mitverwesten zu retten, nimmt er sie mit in das Flugzeug, in dem er lebt (und wo er gerne mal die eine oder andere Schallplatte auflegt – DJ Dead is in da plane!).

Nach anfänglichem, na ja, sagen wir mal – Unbehagen, kommt es zu einem Paradigmenwechsel und Julie erkennt das Gute im Kadaver, was nicht unerhebliche Folgen für den weiteren Verlauf der Geschichte der Menschheit sowie der Nicht-mehr-Menschheit hat …

Und nicht nur das, je länger der Film dauerte, umso mehr hat er mich überzeugt, ja, ich muss gestehen, geradezu berührt. „Warm Bodies“ ist ein außergewöhnlicher Film, ungewöhnlich vielschichtig , mit einer klaren Botschaft und trotzdem sehr unterhaltsam. Die Zombiepuristen und Splattermaniacs werden wohl müde abwinken, aber wer bereit ist, sich auf etwas Neues, Genreübergreifendes einzulassen, darf sich auf einen netten Filmabend freuen.

Beenden möchte ich meinen kleinen DVD-Tipp mit den ersten Sätzen des Films, gedacht von „R“, während er (sinnfrei) durch die Gegend schlurft, als Appetizer für Euch:

„Was mache ich bloß aus meinem Leben? Ich bin so blass, ich sollte mehr an die frische Luft gehen und gesünder essen. Meine Körperhaltung ist miserabel, ich sollte gerader gehen. Man hätte mehr Respekt vor mir, wenn ich aufrechter ginge. Was ist los mit mir, ich will doch nur Freunde finden?! Warum krieg ich keinen Kontakt zu anderen Menschen? Oh … richtig, weil ich tot bin!“

Zombie-Film-FAQ:

1. Dystopie?

Kaum, die Apokalypse und der tägliche Überlebenskampf der Menschen spielen so gut wie keine Rolle.

2. Extras?

Satte 114 Minuten bietet die DVD an Extras, also 121 % der Filmlänge!

3.  FSK 12?

Sorry, geht gar nicht, da bin ich konservativ. Es gibt genug geeignete Filme für Kinder (!) in diesem Alter, müssen es da Gehirn-Fressen und wandelnde Leichen sein? Ich meine, nicht.

4. Gesellschaftskritik?

Definitiv, wenn auch eher subtil. Doch der Beginn, als „R“ an Früher-als-alles-besser-war denkt oder die Szene, in der er mit seinem besten Freund an einer Theke sitzt und sie sich gegenseitig anknurren (göttlich!), sind nach meinem Dafürhalten eindeutig – schöne Grüße an „Zombies im Kaufhaus“.

5. Komödie?

Auch, es gibt einige wirklich richtig witzige Momente im Stil von „Shaun Of The Dead“. Passt übrigens sehr gut ins Gesamtkonzept des Films.

6. Liebesfilm?

Klares Ja. Hallo? Julie und „R“, wenn es jetzt nicht klingelt … Es ist eine Romanze, aber weit mehr als das, denn die Liebe ist hier nicht nur der Zweck, sondern mehr.

7. Soundtrack?

Tja, das ist so eine Sache. Die Auswahl der Musik ist richtig gut und teilweise witzig-ironisch; einfach genial, wenn Julie im Flugzeug „Hungry Heart“ von Bruce Springsteen auflegt. Es gibt Stücke von Bob Dylan, Delta Spirit, Jimmy Cliff und vielen anderen. Nur leider, leider … Zwar wurde ein Soundtrack veröffentlicht, doch der beinhaltet nur die für den Film extra produzierte Musik, schade!

8. Zombiefilm?

Ja, sicher. Ein Film mit Zombies ist ein Zombiefilm, außerdem wird auch gemampft und getötet. Äh, nein! Zombies rennen nicht, reden nicht, hören keine Musik und … reflektieren ihre Situation nicht. Ja, was denn jetzt? Sagen wir mal: es ist eine Frage der Einstellung. Schaut selbst!

Kommentare

Ein Kommentar zu “Zombies mit Herz: Warm Bodies”

  1. […] einem früheren Zeitpunkt hatte Gastautor Thomas über sein Staunen geschrieben, dass der Zombie-Liebesfilm “Warm Bodies” deutlich besser ist, als er geglaubt hatte, sog…. Necrophorus erklärt euch heute, warum er anderer Meinung […]

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