Zombies im Netz

Das beste Zombie-Online-Magazin der Welt. Und drüber hinaus.

Einmal Zombie sein!

Von am 16. Mai 2014

Mein größter Traum ist es, mal bei “The Walking Dead” als Zombie über den Bildschirm zu schlurfen. Na ja, vielleicht nicht mein allergrößter Traum, aber toll wäre das. Und dann vielleicht exklusiv von Daryl Dixon erledigt zu werden, hach ja … Bis zu den Dreharbeiten der Kultserie habe ich es noch nicht geschafft, aber als vor einigen Monaten der Frankfurter Kunstverein dazu aufrief, bei der Nacht der Museen am 10. Mai 2014 als Zombie-Volunteer durch die Ausstellung Der Tod ist dein Körper zu schleichen: Da hatte ich das Gefühl, dass sei immerhin eine downgesizte Version meines Walking-Dead-Wunsches und deshalb etwas, was vorerst dringend auf meine 1-Punkt-Löffelliste gehört. Also rief ich begeistert “Ja!” Weil mein Lieblings-Mit-Zombie bereit war, mich zu begleiten, waren alle Schwellenängste beseitigt und ich hab mich tatsächlich auf nach Frankfurt gemacht – zurechtgemacht als Untote und sehr dankbar, dass mein eigener Schminktipp aus meinem eigenen Zombie-Blog sich als ziemlich passabel und sehr einfach umzusetzen erwiesen hat.

Impressionen vom Fertigschminken:

So bescheuert sieht man aus, wenn man sich Klopapier-Fetzen auf die Haut klebt.

So bescheuert sieht man aus, wenn man sich Klopapier-Fetzen auf die Haut klebt.

So sieht das dann aber aus, wenn man das Ganze mit Kunstblut verschönert hat.

So sieht das dann aber aus, wenn man das Ganze mit Kunstblut verschönert hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Begleiter-Zombie sah beim Aufbruch mit derselben Schminktechnik (plus grundierender Profi-Clownsschminke plus schwarzer Farbe für den zombiesken Gammellook plus großzügigen Mengen an Kajal) seinerseits wunderschön verwest aus – auch beim Tanken. Tankstellenpersonal und anwesende Kundschaft waren geradezu entzückt über unser Erscheinen. (Kein Witz – der schönste O-Ton: “Und, fahrt ihr so jetzt irgendwo hin?” Verkniffen haben wir uns die Antwort “Nein, so machen wir uns immer für einen gemütlichen Fernsehabend zurecht!”):

Blutig!

Blutig!

Und dann waren wir auch schon mittendrin in der Zombieschar im Frankfurter Kunstverein – und auch

Ein bisschen enttäuscht waren wir, dass wir nicht in einer Verkehrskontrolle kamen. Hätte lustig werden können.

Ein bisschen enttäuscht waren wir, dass wir nicht in eine Verkehrskontrolle kamen. Hätte lustig werden können.

mittendrin in den Besucherströmen. Regieanweisungen gab’s keine, dafür die vertrauensvolle Ansage: “Ihr wisst ja am besten, was man als Zombie so macht!” Öhmmmm … Nun ja. Möglichst nicht die Besucher auffressen, das wussten wir alle immerhin instinktiv. ;-)

Wo wir uns auf den verschiedenen Stockwerken, die die Ausstellung umfasst, verteilen und wie wir dort bis 2 Uhr morgens (offizielles Ende der Nacht der Museen) Zombie-Stimmung erzeugen sollten, blieb uns selbst überlassen. Irgendwie logisch, man macht ja Zombies auch keine Vorschriften. Ha!

 

Die folgenden Bilder darf ich mit der großzügigen Genehmigung des Fotografen Sascha König hier veröffentlichen.

Bild: Sascha König

Bild: Sascha König

Bild: Sascha König

Bild: Sascha König

 Zombie-Strategien

In den Stunden zwischen 19.00 und 2.00 Uhr, unserer Zombie-Einsatzzeit, hatten wir alle unterschiedliche Strategien, wie wir mit den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung umgehen. Jede und jeder von uns hat auf eigene Weise gestarrt, geschnüffelt, geknurrt oder gegrunzt, geröchelt oder erschreckt. Meine Strategie: Das Verfolgen.

Bild: Sascha König

Bild: Sascha König

Bevorzugt habe ich mir Personen ausgesucht, die mich vorher fotografiert und damit meine Zombie-Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatten. Man darf schließlich nie einen Zombie auf sich aufmerksam machen. Ich bin schweigend – immer völlig schweigend! – auf sie zugeschlurft und hab mich vor sie gestellt. Gingen sie weiter, folgte ich ihnen in gleichbleibendem Abstand. Blieben sie stehen, blieb ich auch stehen, Setzten sie sich wieder in Bewegung, folgte ich ihnen weiter. Manche merkten früher, dass ich nun ihr Anhängsel war, manche später. Die Reaktionen:

  •  Etwa 75 Prozent der Verfolgten sagten zu ihren Begleitungen: “Wir haben jetzt eine neue Freundin. Von dieser Gruppe sagten wiederum
    Bild: Sascha König

    Bild: Sascha König

    gut 50 Prozent: “Die nehmen wir mit nach Hause.” (Das war nicht sehr originell, liebe verfolgten Damen und Herren, aber recht liebenswert. Danke!)

  • Einige Leute fühlten sich wirklich unwohl und versuchten, mich loszuwerden, indem sie mich ignorierten. Das machte mich aber nur noch hartnäckiger. (Mich wegzuschicken hat sich keiner getraut, ich war ja Teil der Ausstellung. Unglaublich, was das für Freiheiten verschafft!)
  • Eine Mehrheit fand das Verfolgtwerden unglaublich lustig und konnte sich gar nicht mehr einkriegen vor Lachen. Das hat mich gefreut.
  • Ziemlich viele Personen versuchten, mich durch Zurückstarren zum Grinsen zu kriegen. Haben aber nur drei geschafft. Mit ziemlich unlauteren Methoden.
  • Einige beschleunigten ihren Schritt merklich. Die hab ich belohnt, indem ich sie ziehen ließ.
  • Manche haben mich angefasst, als wollten sie prüfen, ob ich echt bin. In drei Fällen musste ich meine Rolle als stummer Zombie kurz unterbrechen und darum bitten, Ausstellungsstücke nicht zu berühren (Angefasstwerden fand ich nicht so toll – es hat aber auch kaum jemand getan). In einem Fall hab dem Anfasser einen richtigen Schrecken eingejagt, als ich begann zu sprechen, er ist ordentlich zusammengezuckt. Vielleicht hielt er mich ja wirklich für eine Untote?! Dann war Anfassen aber umso unklüger …

Persönliches Highlight

Es war ja schon wahnsinnig schade, als Zombie verkleidet auf dem Weg nach Frankfurt im Auto nicht in eine Verkehrskontrolle zu geraten und sich an den Gesichtern von verwirrten Polizisten erfreuen zu können. Unschlagbar schön war es aber, einen ahnungslosen alten Freund, den ich seit Jahren nicht gesehen hatte, überraschend als Zombie auf einer Kunstausstellung wiederzutreffen. Das verwirrte Gesicht war viel besser als das eines Verkehrspolizisten. (Und am Ende der Nacht mit einem Gläschen Wein in einer Frankfurter Bar auf das überraschende Wiedersehen anzustoßen, ohne sich vorher abzuschminken, hatte auch einen gewissen Reiz.)

Gerne wieder!

Es war nicht The Walking Dead, aber es war unheimlich spaßig. Vom Schlurfen kriegt man übrigens fiese Rücken- und Nackenschmerzen, den Muskelkater in den Beinen bin ich sogar erst nach 2 Tagen wieder losgeworden.

Dem Frankfurter Kunstverein meinen allerherzlichsten Dank für diese lustige Aktion!

Die Ausstellung “Der Tod ist dein Körper” läuft übrigens noch bis zum 6. Juli 2014.

Dringender Ausgeh-Tipp für Hobby-Zombies im Frankfurter Raum: Der nächste Zombie Walk Frankfurt findet am 30. August ab 18 Uhr statt. Hingehen – und vorher das Wundenschminken mit Klopapierschnipseln üben! (Ist nicht schwer, gelingt gut, und ich war mit meinen “Fleischwunden” sehr zufrieden.)

Kommentare

Ein Kommentar zu “Einmal Zombie sein!”

  1. Franziska sagt:

    Hallo liebes Zombie im Netz-Team,

    Das wäre bestimmt lustig wenn ihr in die Kontrolle von der Polizei wärt, die hätten bestimmt komisch geguckt ich wäre auch gerne einmal als Zombie vielleicht als Fasching oder so. :-)

    Mit Freundlichen Grüßen

    Franziska

Schreib einen Kommentar