Zombies im Netz

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Medienwissenschafts-Geeks, aufgepasst! Und Zombie-Film-Liebhaber – euch geht das auch an: Untot – Zombie. Film. Theorie. (herausgegeben von Michael Fürst, Florian Krautkrämer und Serjoscha Wiemer, erschienen 2011 im belleville Verlag) ist keine leichte Kost. Aber mehr als aufschlussreich für diejenigen, die nicht nur gerne Zombies auf Bildschirmen und Leinwänden sehen – sondern auch die gesellschaftlichen Kontexte verstehen möchten, in denen die Untoten durch künstlerische Interpretationen wandeln.

313_cover_bellevilleVerlag_Untot_300dpi_10cmIch habe in “Untot” einiges entdeckt, was mein Interesse geweckt hat. Eine Auswahl an Fakten, die mich erstaunt haben oder anderweitig aufmerken werden ließen:

  • “Schwule Zombies” ist ein mehrfach bearbeitetes Thema im Genre Zombiefilm – ein Beispiel ist Otto; Or Up With Dead People.
  • Eine Interpretation der Motivation von Zombies, Lebende anzugreifen, lautet Trieb zur Fortpflanzung: Sobald ein Opfer gestorben und selbst zombifiziert ist, wird es von anderen Zombies als einer der ihren erkannt und gilt nicht länger als Nahrung. Die primäre Motivation sei entsprechend kein Kannibalismus, sondern Trieb zur Vermehrung. (Mit dieser Idee werde ich mich in den kniffligen Zombiefragen noch einmal näher auseinandersetzen müssen. Zombifizierung als Fortpflanzung – ich werde mit dem Gedanken auf Anhieb noch nicht warm.)
  • Der Schauspieler Bela Lugosi ist nicht nur ein berühmter Dracula-Darsteller, sondern spielt auch eine Hauptrolle im ersten bekannten Zombie-Film der Pop-Kultur, White Zombie (1932).
  • Ich kannte ja schon viele potenzielle Auslöser für Zombifizierung – neu war mir die genetisch veränderte Tiernahrung.
  • Kannibalismus gilt nicht als Krankheit (gemeint ist die Realität, nicht die Filmwelt). Selbst Kot-Essen ist in der internationalen Klassifizierung von Krankheiten ICD-10 als Krankheit aufgeführt – Kannibalismus aber nicht. Er gilt zwar als letztes Tabu der Menschheit – was für manchen den Reiz vom Zombie-Filmen ausmachen mag -, wird aber nicht den psychischen Störungen zugeordnet.

Sogar über Vampir-Mythen habe ich in diesem Buch über Zombies etwas gelernt:

  • Die Vorstellung, Vampire würden in ihrem Sarg wohnen und von dort aus auf ihre nächtlichen Blut-Raubzüge gehen. ist erklärbar: Wenn ein Sarg nach einiger Zeit geöffnet wird, entweichen nicht nur Fäulnisgase, sondern die durch Gase aufgeblähten Arme und Beine strecken sich nach oben. Für denjenigen, der den Sarg geöffnet hat, kann das wirken, als wäre die Leiche lebendig und sei im Begriff, sich aus ihrem Sarg zu erheben: Der Ursprung einer Legende. 

“Untot – Zombie. Film. Theorie” ist anspruchsvoll, wissenschaftlich und aufschlussreich. Es führt in eine Zombie-Filmwelt ein, die weit über die berühmten Blockbuster hinausgeht und tief in die Kulturgeschichte eindringt. Niveauvolles Hirnfutter für alle, die dachten, sie wüssten schon alles über Zombies im Film!

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